Es ist lange her, das ich zuletzt hier etwas gepostet, oder geschrieben habe. Warum? Weiß ich jetzt selbst auch nicht wirklich. Klar ist aber: „…mir fehlte meistens die Zeit dafür.“ Aber dazu später noch ein kurzer Einwurf.

Es ist viel passiert. Schulter-OP, Weißheitszähne raus, Druck auf der Brust. Und das war nur das erste Halbjahr 2016. Was soll da noch kommen?

Jedenfalls, war es der Druck auf der Brust, der mir als Raucher die Alarmglocken schrillen lies. Dumm wie man ist, denkt man erst nach, wenn es schon zu spät sein könnte, oder gar ist. Fakt ist, das war für mich der Startschuss mit einem Gedanken endlich abzuschließen, der mich bereits seit einigen Jahren verfolgt. Rauchen aufhören.

Ich wollte es früher schon einmal, als ich mit meiner Frau zusammen zog, dann wieder als wir unseren Sohn erwarteten. Aber jeweils war ich nach 2 Tagen ein Wrack. Und hab das Aufhören ganz schnell wieder aufgehört. Und seit dem galt meine Meinung: „Ich will ja, aber mein Kopf nicht. Es macht noch nicht Klick!“
Ja, so kann man es sich schön reden…

BULLSHIT!

Der Kopf macht nicht klick. Entweder man hört auf, lebt mit dem Entzug und lernt wie es ist, ohne den Glimmstengel zu Leben, oder man lässt sich dabei helfen. Es gibt dafür keinen richtigen und schon gar keinen falschen Zeitpunkt!

Ich habe es also noch einmal versucht. Einen Tag lang, auf der Arbeit konnte ich es aushalten, aber daheim, die Rituale, was man jeden Tag macht, lies einen dauernd ans rauchen denken. Und so gab ich erneut nach. Nicht weil ich zu Soft bin, und keine Geduld beweisen wollte, sondern aus der Not heraus, da ich aktuell leichte Beruhigungsmittel zu mir nehme, um Stress zu mildern. Und der eine Tag nicht rauchen, war mehr Stress als ich haben wollte, und das quittierte mir mein Körper auch prompt.

Mein Arzt empfahl mir ein Medikament um den Entzug zu erleichtern. Im Grunde macht es nichts anderes als dem Gehirn vorzugaukeln, das es keinen Entzug gibt, und besser (schlimmer) noch, es zeigt einem das Nikotin bzw. die Zigarette an sich richtig eklig ist, durch einen fiesen Geschmack. Und ich will nicht mal ausschlagen, das eine Kippe schon immer so schmeckte, man hat es nur irgendwann nicht mehr gemerkt. Und es funktioniert…

Man nimmt die Tabletten, sucht sich einen Tag aus, an dem man aufhören möchte und reduziert automatisch, auf Grund der abstossenden Wirkung, die Zahl der täglichen Sargnägel. Ausgesucht habe ich mir den zwölften Tag . Man sollte nämlich einen Tag zwischen dem 8. und dem 14. nehmen, an dem man wissentlich und willentlich aufhört.

Wohl wie ich mich gefühlt habe, war ich am 8. Tag angekommen, als mich mein Ehrgeiz gepackt hatte. Ich habe mich so gut gefühlt mit dem Gedanken nicht zu rauchen, das ich ganz bewusst eine letzte Raucherrunde vor der Tür vollzog. Tabak, Papierchen, Feuerzeuge, Aschenbecher und den ganzen Kram entsorgte ich direkt danach. Schluss aus?! NEIN… ich war zu früh dran. Der Entzug war noch da. Am selben Abend wollte ich schon wieder den Rückzieher machen. Saß bereits im Auto auf dem Weg zur Tanke. Ärgerte mich, das die Läden bereits zu hatten. Im Radio lief P!nk „Just like a Pill“ und ich sagte mir laut und deutlich NEIN, wendete und fuhr unverrichteter Dinge zurück nach Hause. Ich weiß, das liest sich wie ein schlechter Hollywoodstreifen, aber es war so wie es hier steht. Manchmal gibt es eben Zufälle wo man von dem „Arsch auf Eimer“ sprechen muss.

Seit dem habe ich nicht mehr nach einer Zigarette gegriffen.

Seit dem habe ich Zeit für andere Dinge, weil ich nicht vor der Tür sitze um mich einer sinnlosen Sucht hinzugeben. Die nicht nur wegen der Wirkung auf den Körper jedes Mal ein Stück Lebensqualität kostet! Denkt mal so darüber nach. Lasst den gesundheitlichen Aspekt mal außen vor. Und denkt mal nur über den Gesellschaftlichen oder eben Persönlichen Aspekt nach, vor allem Zeit. Wenn man, so wie ich, zum quarzen vor die Tür gelatscht ist, und sinnfrei herumstand bis die Sucht befriedigt war, hätte man Dinge tun können, wo man sonst „keine Zeit ‚für hat!“

Und der gesellschaftliche Aspekt? Denkt mal an eure nichtrauchenden Freunde und Verwandten. Als Raucher nimmt man viele Düfte und Gerüche einfach nicht mehr wahr. Und ich schwöre euch, es dauert 2-3 Tage nach der letzten Kippe, wenn der Entzug durch ist, und ihr könntet Kotzen, wenn ein Raucher an euch vorbei geht, kurz nachdem er geraucht hat. Bestenfalls noch so ein Highspeed-Schnuller, der den Filter beinahe zum Glühen bringt. Das riecht so richtig herrlich widerlich nach Aschenbecher vor dem Supermarkt an einem Samstag nachmittag, wo der Folgemontag ein Feiertag ist. Ich hoffe man versteht dieses Beispiel.

Jeder ehemalige Raucher (ich schreibe bewusst nicht „Nichtraucher“) sagt einem, das der Geschmack und Geruchssinn sich verbessern wird. Ich beschreibe es ein wenig anders. Ja, man nimmt andere Gerüche und Geschmäcker intensiver wahr. Aber nein, es verbessert sich nichts. Zumindest nicht alles.
Man muss sich nur vorstellen, man wäre kurzfristig blind gewesen, und jetzt fängt man wieder an zu sehen. Und dann ist das sehen im ersten Moment auch nicht besser, sondern das Auge und Gehirn gewöhnt sich nur langsam an die Helligkeit. Und so ist es mit der Nase und dem Gaumen auch. Viele Gerüche nimmt man mehr wahr, die man zuvor evtl. schon bemerkt aber ignoriert hat, weil es zu schwach war. Das können gute Gerüche sein. Aber…
… manchmal auch ganz üble Sachen. Man riecht plötzlich bei weitem Intensiver, bis sich die Nase an die neue Situation angepasst hat. Also auch Ausdünstungen anderer Menschen, deren Hygiene stark zu wünschen übrig lässt. Als ich das erlebt hab, und ich nicht flüchten konnte, hab ich diesen eigentlich sehr tollen Nebeneffekt des Nicht-mehr-Rauchens verflucht.

Aber keiner sollte sich davon abschrecken lassen, denn das sind Ausnahmen! Nicht die Regel. Im allgemeinen, und vor allem früh morgens wenn ich mit dem Hund draussen bin, sind viele schöne Düfte da, die man wieder geniessen kann. Die feuchte Luft am morgen, wenn man keine brennende Kippe in den Fingern hat, ist wunderbar, blühende Sträucher, all das macht richtig Spaß. Und lässt einen Staunen, wenn man sich beim überlegen erwischt, ob dieser duftende Strauch vor 2 Wochen auch schon da stand. Was natürlich so ist.

Und so schliesse ich diesen Text langsam ab, und komme zurück zur Zeit, die ich schon eingangs angesprochen habe. Denn mit diesen Worten habe ich über 1000 Worte geschrieben und wundere mich gerade wieder, woher ich mir die Zeit nehmen kann, das so ausführlich zu schreiben.  Und mal sehen, eventuell nehme ich mir die Zeit dafür eine Art „Tagebuch“ über das Nicht-Rauchen hier zu schreiben. Aber das wird wohl eher eine wöchentliche Kür, statt einer ständigen Pflicht. Also fühlt euch auch nicht verpflicht, hier regelmäsig nachzusehen.

Ja, das Internet… auch so ein Zeitfresser 😉

25.06.2016 – Rauchfrei