Ein Blick in Vergangenheit ist nicht nur erheiternd oder gar lächerlich, wenn man die Technik der damaligen Zeit sieht und sich erinnert wozu man sie brauchte, oder benutzte. So erfüllt sich mein Herz auch mit einer gewissen Wehmut, wenn ich mir dieses Video ansehe: LGR – Building a 486 DOS PC!

Lazy Game Reviews machte es sich zur Aufgabe, aus Originalteilen von Damals, einen PC mit einer 486er-CPU von AMD aufzubauen. Er zeigt damit eindrucksvoll, wie kompliziert der Bau eines PCs damals war. Wobei, in den 90ern ein PC nicht gebaut wurde. Man hat einen Computer gekauft und dann gegebenenfalls aufgerüstet.

So wie ich damals mit meinem ersten PC. Aus all den netten Geschenken zu meiner Konfirmation konnte ich mir meinen Computer leisten. Den Hersteller weiß ich nicht mehr. Die CPU war ein Cyrix 486-DLC50. Mit unheimlichen 4 MegaByte Arbeitsspeicher, 80 MB Festplatte und einer einfachen Grafikkarte. Laufwerke? Ja klar, 3,5 Zoll Disketten- (das Speichernsymbol, das noch bis heute benutzt wird, lieber Nachwuchs 😉 ) und ein 5,25 Zoll Diskettenlaufwerk. Installiert war NovellDos7 (ähnlich MS-Dos 6) und darauf aufgesetzt Windows 3.11. Und dann begann die Krux.

Internet gab es noch nicht. Und die Anforderungen ans System wuchsen, wie heute auch damals, sehr schnell. Und zwar in dieser Reihenfolge: Grafikkarte, Arbeitsspeicher, Soundkarte, CD-Laufwerk (Brenner). Also, holte man sich das Wissen dafür durch „Versuch und Fehlschlag“ oder von anderen die bereits mehr Erfahrung an PCs hatten.

Und damit kommen wir zum Punkt: Aufrüsten war damals nicht <Kasten auf, Hardware rein, Booten, Treiber, Fertig>. Arbeitsspeicher musste in der richtigen Reihenfolge, entweder 2 oder alle 4 Bänke belegen.  Laufwerke musste man mit Jumpern einstellen, um dem System zu sagen was ein Master- oder ein Slave-Laufwerk ist. Die physische Adresse einer Soundkarte musste auch von Hand mittels Steckbrücke festgelegt sein und später im Treiber eingetragen werden. Usw. usf. Wenn man es also erfolgreich geschafft hat, das Gerät in den PC einzusetzen (und ich habe mittels Soundkarte eine Festplatte zerstört) musste man erst den Treiber auf DOS-Ebene installieren und in den Dateien Config.sys oder Autoexec.bat die Konfiguration prüfen, ggf. anpassen. Danach hat man nicht unbedingt sofort die Lorbeeren genießen können, sondern musste den ganzen Spaß eventuell in Windows wiederholen.

Von Beginn bis Erfolg verging also, zum Beispiel bei einer Soundkarte, wenn es blöd lief und man keine Ahnung hatte, gerne mal ein Tag. Oder auch zwei.

Und das führt mich zu den Computerbastlern von heute. Die sich gern selbst gern als „Masterrace“ oder „Nerd“ bezeichnen. Sehen wir es doch mal sehr sachlich. Wer in der Vorschule erfolgreich Bauklötzchen in die vorgeschnittenen Öffnungen schieben konnte und nicht gerade Farbenblind ist, der wird sicher nicht auf allzu große Probleme stoßen. Denn heute ist es so wie man sich früher gewünscht hätte. Deckel auf, Hardware einsetzen, Deckel zu, Booten, Treiber installieren und los gehts. Wenn man überhaupt den PC öffnen muss, da vieles mittlerweile per Funk (BT/WiFi) oder einfach über USB funktioniert.

Und als Teilnehmer von dem ganzen Computergebastel heutzutage, wird einem der Weg hierhin erst wieder bewusst, wenn man so ein beeindruckendes Video, und den Aufwand von damals, sieht.

Schöne neue Welt.

Und ja, ich bin ein Nerd.